Von Mietacker bis Patenschaft: Fünf Geschäftsmodelle der Mitmach-Landwirtschaft
Kunden binden, Einkommen diversifizieren, Bildung fördern: All das haben die Konzepte der "Mitmach-Landwirtschaft" gemeinsam. Wir stellen fünf Optionen vor.
Im Supermarkt nehmen viele Menschen ihren Salat, ihre Zucchini und ihr Suppengemüse als selbstverständlich wahr. Um Verbraucher wieder näher an die Landwirtschaft und ihre Produkte zu bringen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Die Mitmach-Landwirtschaft bindet die Kunden direkt in die landwirtschaftliche Produktion ein und fördert das Bewusstsein für saisonale und regionale Lebensmittel. Dafür besuchen die Käufer meist den Hof, arbeiten mit und bekommen Tipps vom Landwirt. Sie stellt jedoch auch neue Anforderungen an die Landwirte, zum Beispiel bei der Verwaltung und Kunden-Kommunikation.
Auf der Plattform "mikrolandwirtschaft.org" können Sie sich als Anbieter eines Mietackers, einer Solidarischen Landwirtschaft oder weiterer Mitmach-Konzepte registrieren und werden auf einer interaktiven Karte verortet. So können Kunden sehen, welche Angebote es in ihrer Region gibt und Kontakt aufnehmen.
Für Betriebe, die bereits direkt vermarkten und in Stadtnähe liegen, eignet sich die Mitmach-Landwirtschaft besonders gut. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) informiert auf ihrer Website über mehrere Konzepte für Landwirte:
1. Mietacker
Auf einem Mietacker können Privatpersonen oder Unternehmen einzelne Parzellen für eine Anbausaison pachten. Dort können sie eigenständig Gemüse anbauen und so Einblicke in die Welt der praktischen Landwirtschaft erhalten. Die Landwirte stellen das Land, oft auch Werkzeuge und ihr Know-How zur Verfügung. In vielen Fällen sind die Mietacker bereits mit verschiedenen Gemüsesorten bestückt - die Kulturpflege und Ernte obliegt jedoch dem Mieter der Fläche.
Mietacker können eine zusätzliche Einnahmequelle sein, bei einer bestehenden Direktvermarktung den Kundenkontakt fördern und Neukunden erschließen. Die Lage des Betriebes spielt hier eine große Rolle, denn das Angebot spricht besonders Menschen aus der Stadt an. Zudem kann die Verwaltung der Mietacker aufwendig sein.
2. Selbsternteflächen
Anders als bei den Mietackern, kümmern sich bei den Selbsternteflächen die Landwirte um die Kulturpflege. Zur Erntezeit können die Kunden vorbeikommen, die Produkte ernten und im Hofladen oder auf Vertrauensbasis in eine Kasse einzahlen. So erhalten sie Erdbeeren, Blumen und Co. ohne Verpflichtungen, wie es beispielsweise bei der SoLaWi der Fall ist. Besonders gut eignen sich Flächen, die am Rand vielbefahrener Straßen liegen, um möglichst viel Laufkundschaft zu erreichen. Der Landwirt hat zwar den Vorteil des verringerten Ernteaufwands, ist jedoch gleichzeitig abhängig von der regelmäßigen Kundenteilnahme in der Erntezeit.
In Wolpertswende in Baden-Württemberg bieten Christa und Rosi Knam vom Hofladen Vorsee die „Erlebnisernte“ bereits seit rund 20 Jahren an:
Durch Patenschaften können Verbraucher und Unternehmen eine direkte Verbindung zu einem bestimmten Aspekt der landwirtschaftlichen Produktion aufbauen, sei es durch die Patenschaft zu einem Tier, einer Kultur oder einer bestimmten Fläche. Dafür erhalten sie durch den Landwirt regelmäßig Updates und Produkte. Laut der LWK NRW sind Apfelbaum-Patenschaften in Deutschland am verbreitetsten. Auch Milchkühe oder Hühner sind beliebt. Gegen eine Jahresgebühr stellt der Landwirt den Paten eine Mindestmenge von Obst, Milch oder Eiern zur Verfügung.
Eine weitere Variante sind die Blühpatenschaften, bei denen Unternehmen für z. B. 1 €/ m2 zu mehr Biodiversität beitragen können.
Patenschaften bieten Landwirten eine stabile Einkommensquelle und können die Kundenbindung fördern. Sie gehen jedoch mit einem Mehraufwand an Kommunikation und Verwaltung einher.
4. Solidarische Landwirtschaft
WDR Lokalzeit: Land.Schafft
Bei der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) bilden Verbraucher und Landwirte eine Gemeinschaft, um die Produktion gemeinsam zu finanzieren und umzusetzen. Mitglieder zahlen einen Beitrag und erhalten im Gegenzug Anteile an der Ernte. So erhalten sie regelmäßig frische Lebensmittel, das Risiko ist auf mehrere Schultern verteilt und die Kunden sind eng ins Geschehen eingebunden. In Deutschland gibt es rund 400 SoLaWis.
Weniger relevant für Landwirte, aber dennoch ein Konzept der Mitmach-Landwirtschaft ist das Urban Gardening oder Urban Farming. Es bezeichnet den Gartenbau oder die Pflanzenproduktion im Stadtgebiet, oft in Gemeinschaftsgärten, auf Dachterrassen oder auf Freiflächen. Die Betreiber produzieren meist für den Eigenbedarf. Ein Beispiel ist das Prinzessinnengarten Kollektiv, das seit 2020 auf dem 7,5 ha großen Neuen St. Jacobi Friedhof in Berlin-Neukölln besteht. Hier steht vor allem die Gemeinschaft, die ökologische Bildung und Aufklärung im Vordergrund.
Ihre Meinung ist gefragt!
Haben Sie bereits Erfahrungen mit Mitmach-Landwirtschaft auf Ihrem Betrieb oder haben Sie sogar noch weiteres Konzept, das nicht in dieser Auflistung ist?
Im Supermarkt nehmen viele Menschen ihren Salat, ihre Zucchini und ihr Suppengemüse als selbstverständlich wahr. Um Verbraucher wieder näher an die Landwirtschaft und ihre Produkte zu bringen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Die Mitmach-Landwirtschaft bindet die Kunden direkt in die landwirtschaftliche Produktion ein und fördert das Bewusstsein für saisonale und regionale Lebensmittel. Dafür besuchen die Käufer meist den Hof, arbeiten mit und bekommen Tipps vom Landwirt. Sie stellt jedoch auch neue Anforderungen an die Landwirte, zum Beispiel bei der Verwaltung und Kunden-Kommunikation.
Auf der Plattform "mikrolandwirtschaft.org" können Sie sich als Anbieter eines Mietackers, einer Solidarischen Landwirtschaft oder weiterer Mitmach-Konzepte registrieren und werden auf einer interaktiven Karte verortet. So können Kunden sehen, welche Angebote es in ihrer Region gibt und Kontakt aufnehmen.
Für Betriebe, die bereits direkt vermarkten und in Stadtnähe liegen, eignet sich die Mitmach-Landwirtschaft besonders gut. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) informiert auf ihrer Website über mehrere Konzepte für Landwirte:
1. Mietacker
Auf einem Mietacker können Privatpersonen oder Unternehmen einzelne Parzellen für eine Anbausaison pachten. Dort können sie eigenständig Gemüse anbauen und so Einblicke in die Welt der praktischen Landwirtschaft erhalten. Die Landwirte stellen das Land, oft auch Werkzeuge und ihr Know-How zur Verfügung. In vielen Fällen sind die Mietacker bereits mit verschiedenen Gemüsesorten bestückt - die Kulturpflege und Ernte obliegt jedoch dem Mieter der Fläche.
Mietacker können eine zusätzliche Einnahmequelle sein, bei einer bestehenden Direktvermarktung den Kundenkontakt fördern und Neukunden erschließen. Die Lage des Betriebes spielt hier eine große Rolle, denn das Angebot spricht besonders Menschen aus der Stadt an. Zudem kann die Verwaltung der Mietacker aufwendig sein.
2. Selbsternteflächen
Anders als bei den Mietackern, kümmern sich bei den Selbsternteflächen die Landwirte um die Kulturpflege. Zur Erntezeit können die Kunden vorbeikommen, die Produkte ernten und im Hofladen oder auf Vertrauensbasis in eine Kasse einzahlen. So erhalten sie Erdbeeren, Blumen und Co. ohne Verpflichtungen, wie es beispielsweise bei der SoLaWi der Fall ist. Besonders gut eignen sich Flächen, die am Rand vielbefahrener Straßen liegen, um möglichst viel Laufkundschaft zu erreichen. Der Landwirt hat zwar den Vorteil des verringerten Ernteaufwands, ist jedoch gleichzeitig abhängig von der regelmäßigen Kundenteilnahme in der Erntezeit.
In Wolpertswende in Baden-Württemberg bieten Christa und Rosi Knam vom Hofladen Vorsee die „Erlebnisernte“ bereits seit rund 20 Jahren an:
Durch Patenschaften können Verbraucher und Unternehmen eine direkte Verbindung zu einem bestimmten Aspekt der landwirtschaftlichen Produktion aufbauen, sei es durch die Patenschaft zu einem Tier, einer Kultur oder einer bestimmten Fläche. Dafür erhalten sie durch den Landwirt regelmäßig Updates und Produkte. Laut der LWK NRW sind Apfelbaum-Patenschaften in Deutschland am verbreitetsten. Auch Milchkühe oder Hühner sind beliebt. Gegen eine Jahresgebühr stellt der Landwirt den Paten eine Mindestmenge von Obst, Milch oder Eiern zur Verfügung.
Eine weitere Variante sind die Blühpatenschaften, bei denen Unternehmen für z. B. 1 €/ m2 zu mehr Biodiversität beitragen können.
Patenschaften bieten Landwirten eine stabile Einkommensquelle und können die Kundenbindung fördern. Sie gehen jedoch mit einem Mehraufwand an Kommunikation und Verwaltung einher.
4. Solidarische Landwirtschaft
WDR Lokalzeit: Land.Schafft
Bei der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) bilden Verbraucher und Landwirte eine Gemeinschaft, um die Produktion gemeinsam zu finanzieren und umzusetzen. Mitglieder zahlen einen Beitrag und erhalten im Gegenzug Anteile an der Ernte. So erhalten sie regelmäßig frische Lebensmittel, das Risiko ist auf mehrere Schultern verteilt und die Kunden sind eng ins Geschehen eingebunden. In Deutschland gibt es rund 400 SoLaWis.
Weniger relevant für Landwirte, aber dennoch ein Konzept der Mitmach-Landwirtschaft ist das Urban Gardening oder Urban Farming. Es bezeichnet den Gartenbau oder die Pflanzenproduktion im Stadtgebiet, oft in Gemeinschaftsgärten, auf Dachterrassen oder auf Freiflächen. Die Betreiber produzieren meist für den Eigenbedarf. Ein Beispiel ist das Prinzessinnengarten Kollektiv, das seit 2020 auf dem 7,5 ha großen Neuen St. Jacobi Friedhof in Berlin-Neukölln besteht. Hier steht vor allem die Gemeinschaft, die ökologische Bildung und Aufklärung im Vordergrund.
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